Gastkommentar: Noch Grund zur Hoffnung für die Erde | Kommentare | DW

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Waldbrände, Springfluten und extreme Wirbelstürme vernichten menschliches Leben und menschliche Existenzen. Die Entwicklungen der letzten Jahre beunruhigen die Öffentlichkeit; Wegsehen ist nicht mehr entschuldbar, und doch sieht es so aus, als handele die Politik nur langsam.

Die Wissenschaft verweist auf eine enge Verbindung zwischen der Erwärmung des Planeten und den Veränderungen des Wetters. Diese Trends sind dort besonders erkennbar, wo sich die Nutzung der Böden durch den Menschen stark verändert hat. In den nächsten beiden Jahren hat die internationale Gemeinschaft reichlich Gelegenheit, entschlossen die Widerstandskraft von Ökosystemen zu stärken und so in die Richtung zu gehen, die die Öffentlichkeit will.

Mächtiges Gremium

Die erste dieser Gelegenheiten ist die 14. Sitzung der Konferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens der UN zur Bekämpfung der Wüstenbildung (COP14), die in dieser und der nächsten Woche in Neu Delhi stattfindet.

Diese Konferenz ist das mächtigste Entscheidungsgremium für Probleme der Versteppung, Bodendegradation und Dürre. Es hat zwei sich ergänzende Mandate: Es leitet Entscheidungen zur Vermeidung und Bekämpfung der Bodenverschlechterung ein, einem Schlüsselfaktor für unsere Anfälligkeit für Katastrophen. Und es unterstützt Aktionen zur Wiedergewinnung von verschlechtertem Land und zur Abmilderung der Auswirkungen von Dürre.

Ibrahim Thiaw, Leiter des UNCCD

Ob der politische Wille zur Handlung besteht, wird sich jetzt herausstellen, weniger als einen Monat nach der Veröffentlichung des ersten maßgebenden Klimawandelberichtes, herausgegeben vom Intergovernmental Panel on Climate Change. Dieser und vier andere aktuelle wissenschaftliche Studien sind kristallklar: Wir haben die Böden dieser Erde stark verändert und testen jetzt die Grenzen ihrer Widerstandskraft.

Klimawandel und Bodenqualität

Ungefähr 75 Prozent der Böden wurden – oft nicht nachhaltig – ihres natürlichen Zustands beraubt. In nur 50 Jahren haben wir 23 Prozent der einst produktiven Nutzfläche so gut wie unbrauchbar gemacht. Unser unersättlicher Hunger nach Ressourcen, Lebensmittel, Wasser und Energie inbegriffen, ist für bis zu 37 Prozent, etwa ein Drittel, der Treibhausgase verantwortlich, die die Erde erwärmen.

Das Ergebnis: 1,3 Milliarden Menschen leben nun auf und von schlechten Böden. Fast eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Aber die Auswirkungen gehen noch weiter: Über 3,2 Milliarden Menschen – fast die Hälfte der Weltbevölkerung – ist von der weltweiten Verschlechterung der Bodenqualität betroffen.

Zu erwarten, dass eine zweiwöchige Konferenz ein Wundermittel findet, um das Steuer herumzureißen, erscheint unrealistisch. Und doch bin ich hoffnungsvoll.

Gründe für Optimismus

Ich habe diese Hoffnung, weil Regierungen in den letzten vier Jahren wichtige Entscheidungen zu Dürre und Bodendegradation rasch umgesetzt haben. Vor fünf Jahren hatten nur drei Staaten weltweit nationale Pläne zur wirksamen Dürrebekämpfung. Heute haben 70 Staaten vergleichbare Pläne.

Ich bin auch hoffnungsvoll, weil die dafür Verantwortlichen die Bereitschaft erkennen lassen, die auf uns zukommenden Probleme umfassend und wissenschaftlich zu prüfen, damit die nötigen Maßnahmen sofort ergriffen werden können.

Schließlich habe ich noch Hoffnung, weil die Tagesordnung der Konferenz eine Bereitschaft der teilnehmenden Regierungen erkennen lässt, auch für festgefahrene Fragen eine Lösung zu finden. Einige dieser Fragen sind lange unbeachtet geblieben.

Öffentliche Unruhe jeder Art, wie beispielsweise die Freitagsproteste junger Menschen auf der ganzen Welt macht klar, dass die Geduld mit der Untätigkeit Grenzen hat. Jeder Tag – ob mit Handlung oder Untätigkeit – zählt für unser Überleben.

Die Hälfte der Minister, die für eine optimale Bodennutzung sorgen können, wird in Neu Delhi dabei sein. Das ist eine gewaltige Macht für einen Wandel, der die Anforderungen an die sinnvolle Nutzung unserer Böden anheben und den Ton für die entsprechenden Aktionen gegen Klimawandel und für Biodiversität setzen kann, die am Horizont erkennbar sind.

Der Mauretanier Ibrahim Thiaw ist Exekutivsekretär der Konferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens der UN zur Bekämpfung der Wüstenbildung UNCCD. Er ist studierter Forstwirt und seit 2007 für die Vereinten Nationen tätig.





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